Artikel und Vorträge zur Kritik der bürgerlichen Wissenschaften

Philosophie II: Die „Kritische Theorie“ der Frankfurter Schule

Sehnsucht nach Versöhnung als Gesellschaftskritik

Dr. Peter Decker
Berlin, 2005

[audio:kritische-theorie_b_2005.mp3]

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Alles, was sich gegen Philosophie im Allgemeinen sagen lässt, soll gegen Adorno, Horkheimer und ihren Kreis nicht gelten. Denn sie selber haben Fachkollegen dafür kritisiert, dass sie mit der Konstruktion eines höheren Sinns oder mit blankem Positivismus schlimme und schlimmste gesellschaftliche Zustände im 20. Jahrhundert gerechtfertigt haben.

Gewiss, Adorno und Horkheimer kritisieren den Kapitalismus und den Tausch, den Faschismus und die moderne Demokratie, Kunst und Kitsch, Unterhaltungs- und Bewusstseinsindustrie, affirmative bürgerliche Sozialwissenschaft und dienstbare Naturwissenschaft – aber eben vom Standpunkt eines reaktionären Philosophenideals aus. Die Legitimationen, die andere der kapitalistischen Welt basteln, finden sie nicht echt, unglaubwürdig und unverantwortlich – und halten an ihrer geradezu religiösen Sehnsucht nach Versöhnung, Sinn und Legitimation in der Form eines höchsten, aber stets unbefriedigten Bedürfnisses fest. Was das „Ganz Andere“ sein mag, das uns so fehlt, ist also kein Geheimnis.

Die Frankfurter Kritiker verurteilen den Kapitalismus als Materialismus, den Tausch als Abstraktion, Auschwitz als Triumph der Zweckmäßigkeit, Wissen als Positivismus, Logik als Gewalt, Kunst als Genuss und geben so zu erkennen, was sie nicht leiden können. Und so etwas gilt heute noch erstens als intellektuell und zweitens als unüberholbar kritisch.