Artikel und Vorträge zur Kritik der bürgerlichen Wissenschaften

Die Jobs der Elite

Eine marxistische Berufsberatung

Eine marxistische Berufsberatung

Die Jobs der Elite
Eine marxistische Berufsberatung

Resultate Verlag, 1987
Vergriffen.

 

Vorwort

Was soll ich werden? Diese Frage begleitet die im demokratischen Schulwesen einigermaßen vorangekommene Jugend, bis sie es schließlich geworden ist: was besseres. Dabei fällt auf, dass diese Antwort auf eine Lebensfrage gar nicht in der Macht derer liegt, die sie sich stellen müssen. Junge Leute können bloß die geforderten Bedingungen an sich herstellen, um ihr Leben nicht als Tippse, Wurstverkäufer oder Bergmann verbringen zu müssen. Ob sie mit ihren erworbenen Begabungen gebraucht werden auf den besseren Posten, die sie anstreben, steht ebenso wenig in ihrer Entscheidung wie das, was sie dort gegebenenfalls zu erledigen haben. Letzteres steht so unabhängig vom Sinnen und Trachten der Individuen fest, dass unsere aufgeklärte Gesellschaft mit aller gebotenen Skepsis dem Aberglauben anhängt, zum Oberamtmann, Kinderarzt oder Burgschauspieler und vor allem zum Regieren müsste der Mensch letztlich geboren sein – so als würden die Gene im Zellkern mit gewissen „umweltbedingten“ Vorbehalten den Errungenschaften der „zweiten Natur“, die sich ein jeder als gesellschaftliches Wesen notgedrungen aneignet, die Hand reichen. Und dieser Fetisch der „Begabung“ „erklärt“ gleich auch noch, zusammen mit „sozialer Benachteiligung“, die Ergebnisse der Konkurrenz um bessere Posten, die aus dem strebsamen Nachwuchs die nicht Gebrauchten aussortiert und, zynisch genug, mit dem Stempel versieht, damit hätten die ihre Unbrauchbarkeit unter Beweis gestellt.

„Was Besseres“ werden zu wollen und dann womöglich auch zu sein, ist also nur einerseits ein frei gewähltes „Schicksal“ – im Unterschied nämlich zur Karriere als normaler Lohnarbeiter, in die die Masse der Leute ohne überflüssige Inanspruchnahme ihrer Entscheidungsfreiheit hineingelangt. Wozu der bessere Mensch sich entscheidet und worum er sich ohne Zwang bemüht, ist ein Dasein als Charaktermaske gesellschaftlicher Positionen, von denen das selbstbewusste Individuum kein Jota erfunden hat und denen es außer einem – ebenfalls ziemlich gleichförmigen – höchstpersönlichen Selbstbewusstsein weiter keinen besonderen Stempel aufdrückt. Vortreffliche Persönlichkeiten, die sich hier um Unverwechselbarkeit bemühen, bringen es im besten Fall zu einem lächerlichen Effekt, über den keiner lacht: Sie subsumieren sich selbst nach Strich und Faden unter ihre hohe Aufgabe.

Worin die besteht, möchte eigentlich niemand so genau wissen. Zu Recht; denn das muss den Glauben stören, als Doktor, Börsenspekulant oder Zeitungsschreiber zur besseren Gesellschaft zu gehören, weil man selber „was Besseres“ ist und gerechterweise auch geworden ist. Andererseits kommt nicht einmal dieser Glaube von Natur; auch Akademiker müssen nicht ihrem eigenen Metier gegenüber ignorant bleiben. Geradeso gut wie Müllkutscher oder Köchinnen sind sie in der Lage, sich klarzumachen, was sie tun, wenn sie „was Besseres“ werden wollen und am Ende womöglich sind.

Ein paar Hilfestellungen dazu leistet die vorliegende Sammlung von berufsabratenden Artikeln, denen zwei einführende Berufsbilder allgemeinerer Natur vorangestellt sind.

Inhalt

Elite

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Zahnarzt

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Börsenspekulant

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Psychologe

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